Diese Frage höre ich oft beim Einkauf im Laden. Gemeint ist natürlich: Was möchten Sie kaufen? Doch die Formulierung berührt unbewusst eine viel tiefere Ebene. Es geht nicht um das Haben, sondern um das Sein.
Gerade in einer Zeit, in der persönliche Entwicklung und Spiritualität boomen, scheint sich jedoch vieles um das Haben zu drehen. Neue Methoden, Seminare, Coachings, Konzepte und Bücher erscheinen beinahe täglich. Über soziale Medien werden uns unzählige Angebote präsentiert – jedes mit dem Versprechen, genau die Lösung für unser aktuelles Problem zu sein.
In dieser Hinsicht unterscheidet sich die spirituelle Szene oft kaum von der klassischen Wirtschaft. Beide leben davon, Bedürfnisse zu erkennen oder zu erzeugen und passende Lösungen anzubieten. Daran ist grundsätzlich nichts falsch. Kritisch wird es jedoch dort, wo suggeriert wird, nur dieser eine Weg führe zur Wahrheit oder zur Heilung. Wo andere Ansätze abgewertet werden. Wo Angst entsteht, etwas Entscheidendes zu verpassen, wenn man dieses Angebot nicht annimmt.
Manchmal frage ich mich deshalb, aus welcher Quelle der Wunsch entsteht, die Welt unbedingt retten zu wollen. Entspringt das Angebot der Liebe und dem Vertrauen in den natürlichen Entwicklungsprozess des Menschen? Oder nährt er sich – oft unbewusst – aus dem Bedürfnis nach Anerkennung, Bedeutung oder Bestätigung?
Ich glaube zunehmend, dass persönliche Entwicklung heute einfacher sein darf, als wir oft denken. Die Zeit verlangt weniger nach immer neuen Konzepten als nach einer ehrlichen Begegnung mit sich selbst.
Ich darf so sein, wie ich gerade bin, da ich in jedem Moment das Beste gebe, was mir gerade möglich ist. Somit kann ich es auch nicht mehr ändern und muss auch nicht wütend oder traurig über mein Verhalten sein.
Ich nehme meine Realität an – mit allem, was sie mit sich bringt. Auch meine Gefühle gehören dazu. Sie wollen nicht bekämpft, sondern angenommen und verstanden werden.
Ich lerne vielmehr aus meinen Erfahrungen und aus den Begegnungen mit anderen Menschen. Was mich berührt und nährt, integriere ich in mein Leben. Was nicht stimmig ist, darf ich in Freiheit loslassen.
Ich sorge für mich. Ich setze Grenzen, wenn sie notwendig sind, um mich zu schützen. Und ich erlaube mir ebenso, Unterstützung anzunehmen, wenn ich sie brauche. Darin liegt keine Schwäche, sondern ein Ausdruck von Selbstachtung.
In herausfordernden Momenten, wenn Gedanken und Gefühle miteinander ringen, hilft mir eine einzige Frage immer wieder, Klarheit zu finden und meine Gefühle und Bedürfnisse wichtig zu nehmen:
Bin ich es mir wert?
Diese Frage führt mich zurück zu mir; nicht immer mehr zu haben, sondern immer mehr mein wahres Ich zu sein.
